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Geschrieben von Franz Grafenauer   
Mittwoch, 09 September 2009

Überblick 2004 - zusammengestellt von Franz Grafenauer nach:

  • Dehio - Handbuch der Kunstdenkmäler Österreichs
  • Handbuch des Politischen Bezirkes Korneuburg
  • Irschik: Pfarrgeschichte von Leobendorf
  • Keinz: Leobendorf und seine Umgebung

~1050: Bau einer romanischen Pfarrkirche in Ost-West-Ausrichtung auf dem Lindenbichel (alter Kultplatz) am Westrand von Liubendorph durch die Grafen von Formbach-Neuburg als Mutterpfarrkirche in der Korneuburger Bucht. Der Diözese Passau unterstellt wurden von Leobendorf aus zeitweise mitbetreut: Korneuburg, Langenzersdorf, Stammersdorf, Jedlesee, Enzersfeld, Hagenbrunn, Kleinengersdorf, Seebarn, Bisamberg, Flandorf, Kleinrötz, Stetten, Schotterlee, Kleinwilfersdorf, Ober- und Unterrohrbach, Tresdorf, Atzersdorf, Hetzelsberg, Beheimreith und Gänserfeld.
 
1203: Erste schriftliche Erwähnung als Pfarrkirche (Pfarre 1147 erstmals urkdl. erwähnt) in einer Urkunde zur Schenkung eines Leobendorfer Grundstückes für den Bau der Korneuburger Stadtpfarrkirche.
~1212: Pfarre im Besitz der Landesfürsten. Nach Überschwemmung und Heuschreckenplage beginnt unter Pfarrer Herrand der Bau der St.Marien geweihten gotischen Kirche (heutiger Altarraum) mit Kreuzrippengewölbe und Sakristei.

~1340: Gotische Fresken: Nordseite: Christus als Lehrer zwischen 12 Aposteln Südseite: Schutzmantelmadonna mit 2 Bischöfen, Maria mit dem Kind - Die anbetenden Könige

1408: Herzog Leopold IV. von Österreich überträgt die Lehenschaft der Pfarre Leobendorf dem Augustiner-Chorherrenstift zu Waldhausen / OÖ (bis 1788). Hl. Markus als Kirchenpatron genannt (Bild – Apsis).
1426: Zerstörung der Kirche und des Pfarrhofes durch böhmische Hussiten.
1435: Wiederaufbau der Kirche bis 1490 und Bau des damals freistehenden Wehrturmes (aus Bruchsandstein vom  Schliefberg) bis in Höhe des heutigen Kirchendaches. Turmzugang in 3 m Höhe.Inschrift am Neubau des Turmes:„A.d. MCCCCXXXV factum est hoc opus“(„Errichtet 1435“).
1477: Beschädigung durch Ungarn unter Matthias Corvinus, danach teilweise Wiederherstellungsarbeiten.

1544: Kirche und Pfarrhof sind als Folge von Bauern- und Reformationskämpfen abgebrannt. Der protestantisch eingestellte, verheiratete Weltpriester Nikolaus Seser († 1575, Grabstein aus rotem Marmor im heutigen Kirchenvorhaus) unterhält einen Schulmeister als Organisten.
Schule in Kirchengasse mit Lehrerwohnhaus; kleiner Friedhof, Wein- und Obstgarten um Kirche.
~1590: Ausbau des Turmes - bis zur heutigen Glockenstube mit rundbogigen Schallfenstern - und Verbindung mit urspr. Kirche durch Bau eines 3-schiffigen Kirchenraumes (15,4m x 13,7m) mit Spitz-bogenfenstern; Haupteingang an Giebelseite bis 1875, dann vermauert.

1645: Kirche, Burg u. Loimdorff v. Schweden zerstört. Bevölkerung flüchtet in den Rohrwald („Schwedenhöhlen“)
1673: Wiederherstellung d. Kirche im spätgotischen Stil mit Strebepfeilern, Schindeldach, Holzdecke,Uhr.Gräber im Kirchenraum: Adam und Eva Syhss. Abriss des Gebeinkarners (südöstl. der Kirche).Bau des klosterartigen, hakenförmigen Pfarrhofes am Fuße des Kirchberges und Anlage eines Brunnens. 100 Joch Eigengrund im Besitz der Pfarre. Wallfahrten, Prozessionen; Bildstöcke im Ort.

1733: Nach Pestepidemie Brandstiftung durch Magdalena Reisinger: Schulhaus, Kirchendach, Turm u. Glocken zerstört (Armensünderkapelle in Kreuzensteinerstraße: letztes Todesurteil, vollstreckt im Steinbruch Schliefberg).Wiederaufbau u. Barockisierung: neues Gewölbe auf 4 Mauerpfeilern im Kircheninneren, Hochaltar, Kreuz mit schmerzhafter Maria, Taufbrunnen, Kirchenuhr, Orgel , Vorhaus. Pfarre hat Weinausschanksrecht (große Weingüter) und Robotkontrakte.

1805 u. 1809: Brandstiftung durch Franzosen: Kirche und Pfarrhof zerstört. Pfarre nun Diözese Wien unterstellt. Wiederaufbau von Kirche und Pfarrhof (ohne Südtrakt); Ställe, Wirtschaftskörper, Presshaus.Totenkammer (bei nördl. Friedhofseingang) aus Resten der ehemaligen Markuskapelle errichtet. Nach Cholera u. Missernten Kirchenrenovierung. Äußere Holztreppe in 2. Wehrturmgeschoß abgetragen.

1877: Zugang zu Orgelchor u. Turm ab jetzt auf Erdniveau. Miete von Kirchensitzplätzen möglich.
Prozessionsfahnen angeschafft. Seitenaltarbilder (N: Hl. Anna belehrt Hl. Maria, S: Hl. Johannes Nepomuk, Dreifaltigkeitszeichen), Statuen (Hl. Leopold, Hl. Florian) u. Kreuzwegbilder (nach Führich, St. Nepomuk, Wien) vermutl. damals angebracht. Missionskreuz (heute Wallfahrerkreuz) an Westseite des Turmes.

1903: 85 % d. Bevölkerung nutzen regelmäßig das Angebot der Sonntagsgottesdienste. Erstmals Kupferdach am 33m hohen Turm, Ziegeldachdeckung. Mesnerhaus - Stockerauerstr. 8 (RAIKA);damalige Friedhofsordnung: N: Tresdorfer, NW: Ober- / Unterrohrbacher, W: Leobendorfer, S: Kleinkinder, SW: Andersgläubige und Selbstmörder

1911: Auspfarrung von Ober- und Unterrohrbach, lediglich Tresdorf verbleibt bei Pfarre Leobendorf.
1914: Einquartierung von 1200 Soldaten des Eisenbahnregimentes im Pfarrhof.
Bronzeglocken zu Kriegsmaterial eingeschmolzen.

1936: Der einstige Kuhstall wird zum Pfarrheim und Theatersaal (heute „Markussaal“) umgebaut und von Dechant GR M. Staribacher geweiht. 1938 wird das Gebäude als Kindergarten verwendet.

1945: SS-Artilleriekommando (44. Division „Totenkopf“) im Pfarrhof. Kirchturm als Artilleriebeobachtungsposten. Kirche u. Pfarrhof im 2. Weltkrieg schwer beschädigt. Glocken erneut zu Kriegsmaterial eingeschmolzen.

1952: Neues Zeltdach. Bei Innenrenovierung Entdeckung der gotischen Fresken u. Sitznischen im Presbyterium. Priestergrab an südl. Außenmauer. Elektrifizierung - Orgelmotor statt Tretantrieb. Friedhofseinfriedung errichtet.

1955: Anschaffung von Stahlglocken aus Bockenem / Harz:
F (1050 kg, Ø 136 cm, H:113 cm - Hl. Maria), A (Hl. Josef), C (Hl. Markus), Sterbeglöckchen (Hl. Florian)

1968: Innenrenovierung des Pfarrhofes, Seelsorgeräume durch Pastoralassistentin Sr. Helga Grath eingerichtet. Priester zelebriert Messe deutsch u. zum Volk gewendet; keine Geschlechtertrennung mehr bei Sitzordnung.

1974/75: Umgestaltung und teilweise Regotisierung der Pfarrkirche unter KR J. Pointner: Abtragung der seitlichen Emporen und der barocken Kanzel sowie des Kommuniongitters, Kirchenboden abgesenkt, neue Bänke, Kirchenheizung und Tonverstärkeranlage installiert. Volksaltar (damals aus Holz); barocker Sakramentsaltar bei heutigem Taufbrunnen.

1979: Glasfenster v. Prof. H. Bauch: „Geschichte der Erlösung - Verbindung des Ewigen mit dem Endlichen“
Chor: S-Seite: Einbruch des Lichtes in die Finsternis - Christus, der Stern von Bethlehem Kirchenschiff S-Seite: Die Frau mit der Sonne umkleidet - Symbol für Maria Presbyterium
S-Seite: Der brennende Dornbusch - Ankündigung der Befreiung von Sünde und Tod
N-Seite: Blutrotes Kreuz und daraus aufsprießendes neues Leben
Kirchenschiff N-Seite: Pfingstfest - Gaben des Hl. Geistes: 7 Sakramente als Gnadenquellen
Verschmelzung  zw. Gott und Mensch im eucharistischen Brot
Chor: N-Seite: Das himmlische Jerusalem als Ziel der Erlösung und Hoffnung
Sonnenuntergangsrundfenster: Bleib bei uns, Herr! Ewiges Licht werde uns zuteil!
Kirchenweihe am 15. 6. 1975 durch Weihbischof Dr. Jakob Weinbacher
Renovierung des „Markussaales“ (Während des Kirchenumbaus wurde dort Gottesdienst gefeiert).
Renovierung des Kirchturmes, Pfarrkellerräume für Pfarrjugend eingerichtet, Totenhalle im unteren Friedhof von Gemeinde erbaut.

1986: Erzbischof DDr. Franz König segnet die nach der hier wirkenden verdienstvollen Seelsorgehelferin benannte „Helga-Grath-Gedächtnisorgel“ des Leobendorfer Orgelbaumeisters Ferdinand Salomon (Gehäusefassung v. Prof. H. Bauer): 1262 Holz-/Zinnpfeifen (16 Fuß - 1/8 Fuß), 21 Register, 2 Manuale, Pedalclavier, Eichen-, Birnen-, Fichtenholz;
Weihbischof Dr. Helmut Krätzl weiht die neue Dorfkapelle in Tresdorf neben dem alten Schulhaus.
Erstmals auch Ministrantinnen.

1992: Renovierung des Pfarrhofes und Sanierung der gotischen Fresken unter GR Mag. W. Renauer.

2003: Kirchenrenovierung unter Pater Adam Bialek anlässlich der 800-Jahr-Feier der Pfarre: Wiedererrichtung des Sakramentsaltares in der Apsis, neuer Volksaltar (nun aus Stein u. fixiert) mit Reliquiar (Hl. Markus, Hl. Johannes Nepomuk, Marco d’Aviano, Sr. Restituta, Katharina v. Siena)

2004: Reinthronisierung der 1972 gestohlenen, bei einer Auktion in Deutschland entdeckten, einst colorierten gotischen (~1450) Madonnenstatue von Jakob Kaschauer.

Letzte Aktualisierung ( Mittwoch, 09 September 2009 )
 
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