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Seite 1 von 12 Das "TOR" aktuelle Ausgabe Herbst 2009
Meine lieben Tresdorferinnen und Tresdorfer und Leobendorferinnen und Leobendorfer! Manche von euch werden es schon wissen: Seit dem 19. Juni begehen wir in der katholischen Kirche ein besonderes Jahr, nämlich das „Jahr der Priester“. Zum Hochfest Herz Jesu wurden im Stephansdom neue Priester geweiht (leider nur sechs, davon drei gebürtige Österreicher). Bei dieser Feier war auch ich dabei. Am Sonntag danach habe ich darüber kurz Bericht erstattet. An dieser „Eröffnung des Priesterjahres” nahmen mehrere hundert „Hohe Geistlichkeiten“ im Stephansdom teil. Gemeinsam legten wir, in die Hände des Erzbischofs, erneut das Priesterversprechen ab. Als äußeren Anlass dieses Jahres nahm Papst Benedikt XVI. den 150. Todestag des heiligen Pfarrers von Ars, Johannes Maria Vianney. Er soll als Vorbild für jeden Hirten im Dienste der Herde Christi gelten. Die Formung der persönlichen Vollkommenheit des Priesters ist eine Frage des Herzens, die nur in der Einheit mit dem Herzen des Erlösers, eine entsprechende Antwort findet. Zur Erinnerung: Wir verehren das hochheiligste Herz Jesu jeden ersten Freitag des Monats mit der Eucharistiefeier und einer kurzen Anbetung. Denn dieses Herz kennt nur eine Sehnsucht, es geht voller Liebe jeden Verlorenen nach, bis es ihn findet. Und so lange jemand in Gefahr ist, ewig verloren zu gehen, brennt es voller Schmerz und Mitgefühl in der Bereitschaft, sich für seine Rettung zu opfern. Meine Lieben, nun kommen wir auf konkrete Punkte zu sprechen: 1. Es wird das Streben des Priesters nach geistlicher Vollkommenheit erwartet; 2. die Pflege wirklich väterlichmenschlicher Beziehungen zwischen dem Bischof und seinen Priestern (in unserer Diözese ein Faktum - Gott sei Dank!) 3. die notwendige Verwurzelung des Priesters in der „kirchlichen Tradition“, dafür finde ich in unserer Pfarrgemeinde großes Verständnis. 4. Oft muss ich mein Handeln und liturgisches Praktizieren „im Lichte des gesamten lehramtlichen Schatzes der Kirche“ anlegen und dies erwarte ich auch von Mitarbeitern. 5. Es ist notwendig, mich als Priester präsent, identifizierbar und erkennbar zu zeigen. Wenn ich nun an diese Punkte denke, liebe Pfarrmitglieder, so müsste ich mir eingestehen, verrückt gewesen zu sein, als ich mich entschlossen habe den Weg des Priestertums zu gehen. So große Erwartungen sind mit dem Priestertum verbunden. So geheimnisvoll, unverständlich und doch auch anziehend, wie die ganze katholische Kirche selbst ist! Die Kirche ernennt nicht Funktionäre, sondern Berufene. So habe ich es empfunden. Davon habe ich schon einmal im „TOR“ erzählt. Mit den Propheten konnte ich feststellen: „Das Wort des Herrn erging an mich, noch ehe ich dich im Mutterleib formte, habe ich dich ausersehen, noch ehe du aus dem Mutterschoß hervorkamst, habe ich dich geheiligt, zum Propheten für die Völker habe ich dich bestimmt!“ Ein Widerspruch zur späteren Priesterweihe ist das nicht, lenkt aber den Blick auf das Geheimnis der Erwählung. Gott kennt und liebt jeden Menschen, „von Ewigkeit her“. Um diese seine Erwählung muss der Priester wissen, dann wird er niemals sagen er sei doch auch nur ein Mensch wie jeder andere! Natürlich bin ich das und ich soll sagen können: „Ich bin nichts so sehr wie Mensch!“ Aber unbeschadet dessen bin ich ein von Gott Erwählter. Für jeden Christen gilt: Erkenne deine Würde! So auch für mich als Priester. Die Würde soll ich genauso erkennen, wie, dass ich ein unnützer Knecht bin und bleibe, auch wenn ich wirklich alles getan habe. Weil der Priester erwählt ist, in der Nachfolge Christi zu leben, muss auch er sich hingeben wie sein Meister. Konkret für die Menschen in den Pfarrgemeinden mit Leib und Blut, mit allen seinen Möglichkeiten, trotz Alter und körperlicher Schwächen da zu sein! Und so bitte ich euch, meine Lieben, betet mit mir und für mich: Herr Jesus Christus, du hast mich berufen, dass ich mit dir zum Vater gehe. Mit dir will ich allzeit auf dem Wege bleiben. Sei das Wort, auf das ich höre und dem ich folge. Sei das Licht, das mich erleuchtet. Sei die Kraft, die mich erfüllt. Sei der Beistand, der mich nicht verlässt. Mach mich vollkommen eins mit dir, und lass mich zur ewigen Vollendung gelangen. (GL 6) So verbleibe ich Euer Bruder Adam
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