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Adventausgabe 2009 Drucken
Geschrieben von Irene Schandl-Baldasti   
Sonntag, 06 Dezember 2009
Beitragsinhalt
Adventausgabe 2009
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Das "TOR" aktuelle Ausgabe Advent 2009

Liebe Pfarrgemeinde!

Im vergangenen Jahr sind in unserer

Pfarre einige Personen aus der Katholischen

Kirche ausgetreten. Die

neue Regelung des Kirchenaustritts

lässt zu, dass man diesen Entschluss

innerhalb von drei Monaten vor dem

Ortspfarrer schriftlich widerrufen

kann, d.h. der Kirchenaustritt wird als

nichtig erklärt, nicht im Taufbuch

vermerkt und die Bezirksbehörde

über den Widerruf informiert. Über

diese Möglichkeit setze ich die betroffene

Person in einem Brief in

Kenntnis, nachdem ich die Nachricht

vom Austritt erhalten habe. Ich

lade sie zu einem Gespräch ein und

bitte diesen Schritt nochmals zu

überlegen.

Ich möchte darüber schreiben, was

mich als Pfarrer besonders bewegt,

wenn ich von einem Kirchenaustritt

erfahre. Zunächst: Ich achte die Entscheidung

jedes Menschen. Sie

steht jedem Christen in bewusster

Verantwortung zu, ich darf sie ihm

nicht wegnehmen. Es tut mir jedoch

persönlich immer weh, wenn ein

Mensch der getauft wurde, sich zum

Austritt aus der Kirche entscheidet,

sich von Christus abwendet und damit

auch die Gemeinschaft der Menschen

in der Kirche verlässt. Das ist in

jedem Fall eine große Wunde an der

Kirche, aber ebenso eine Wunde für

den betreffenden Menschen. Denn

jeder Getaufte ist ein nicht austauschbarer

Teil des lebendigen Organismus

der Kirche. Der Heilige

Paulus sagt: Kirche ist der Leib Christi.

Wenn ein Glied leidet oder abfällt,

leidet auch der ganze Körper.

Die Kirche kann man auch mit einem

Netz vergleichen, in dem jeder Faden

notwendig ist. Wir sind untereinander

und mit Christus verbunden.

Keiner kann alleine für sich

existieren. Der Glaube meines Bruders

oder meiner Schwester sichert

meinen Glauben. An meiner Hoffnung

hängt die Hoffnung von vielen

anderen. Unsere Liebe trägt das Leben

der Welt. Reißt also nur ein Faden,

bedeutet das für alle nicht nur

einen Verlust, sondern auch eine

Gefahr. Es entsteht ein Riss oder eine

Lücke, die man nicht stopfen sollte,

sondern man sollte den Faden

wieder an das Netz binden und die

Stelle besonders stärken.

Beim Kirchenaustritt handelt es sich

deswegen nicht um ein Ausscheiden

und Verlassen einer Institution oder

Organisation wie z.B. einer Partei

oder eines Vereins, sondern um eine

Lebensentscheidung, die die Zukunft

des Betroffenen besonders prägt und

tiefe seelische und geistige Spuren

hinterlässt. Das kann weder dieser

Person noch mir egal sein. In diesem

Moment verzichtet man nicht nur auf

die Ehrenrechte des Getauften in der

Kirche, z. B. auf den würdigen Empfang

der Sakramente, sondern in gewissem

Sinne schneidet man die eigenen

Wurzeln ab und das ist immer

schmerzhaft. Selbst wenn dieser

Mensch im Alltag nicht besonders

eng mit der Gemeinschaft der Kirche

verbunden war. Ich bitte Sie deswegen

besonders darum: Wenn Sie an

diesen Schritt denken, kommen Sie

vorher zu mir oder zu einem anderen

Pfarrgemeinderatsmitglied! Ich bin

fest davon überzeugt, dass man für

die größten Probleme eine Lösung

finden kann, wenn man wirklich danach

sucht.

Ein Pfarrer aus Wien erzählt:

„Unlängst bin ich in unserer Pfarrkirche

einem jungen muslimischen Pärchen

begegnet. Es war eine große

Überraschung für mich. Sie sind in

der Dämmerung des Tages in eine

katholische Kirche gekommen und

haben im „Gotteslob“ geblättert.

Ich habe sie angesprochen und sie

haben mich nach dem Inhalt und

den Regeln des christlichen Glaubens

gefragt. Während des Gesprächs

fragte mich die junge Frau –

eigentlich noch ein Mädchen – 16

Jahre alt: „Ich habe gehört, dass

die Christen eine Zusage Gottes haben,

dass ER immer bei ihnen ist.

Was ist das“? Ich antwortete: „Das

ist die Taufe. Dieses Sakrament

macht uns zu Kindern Gottes. Wir

sind also keine Marionetten in seinen

Händen. Die Taufe gibt uns die

Kraft, als seine Kinder zu leben und

gliedert uns auch in die Kirche – die

Gemeinschaft der Kinder Gottesein.

Wir gehen manchmal im Laufe

unseres Lebens von IHM weg und

manchmal auch von der Kirche,

doch ER bleibt immer bei uns und

mit uns. ER bricht sein Wort nicht

und wir können immer zu IHM und

zur Kirche wiederkommen. Das ist

wieder ein anderes Sakrament: die

Versöhnung.“ Daraufhin sagte sie:

„Das ist schön. Kann ich etwas davon

haben“? Wir sprachen dann

noch über ihre Anliegen und zum

Schluss gab ich den beiden die Bibel

in die Hand und meine

Handynummer.

Ja, es gibt Wunder. Sie gehören zum

Schatz des christlichen Glaubens und

wir erleben sie öfter als wir das oberflächlich

merken. Ich lade Sie ein, aus

diesem Schatz wirklich zu schöpfen.

Es ist genug für alle da… und bevor

Sie sich über die Kirche oder vielleicht

über den Pfarrer ärgern und – Gott

bewahre es! – aus der Kirche austreten

wollen, greifen Sie zu und schöpfen

Sie aus dem Reichtum der Liebe

Gottes, die in den Sakramenten der

Kirche zugegen und spürbar ist. Die

Liebe Gottes ist größer als jegliches

menschliches Versagen, auch unser

eigenes, persönliches Versagen. Sie

lässt auch mich als Mensch, Priester

und Pfarrer aufatmen und leben und

nicht an der menschlichen Schwachheit

(auch meiner eigenen) in der Kirche

verzweifeln, sondern an Gott und

eine sichere Zukunft mit IHM glauben.

Selbst wenn Sie ausgetreten

sind, denken Sie daran, der Weg zurück

ist möglich und die Tür steht immer

offen!

Die selige Advent- und Weihnachtszeit

möge für uns eine Zeit des Nachdenkens

und des Zusammenfindens

beim Christkind sein wünscht sich

Bruder Adam Bialek



Letzte Aktualisierung ( Sonntag, 11 April 2010 )
 
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