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Coronabrief 2 von Pfarrmod. Annistus Njoku

Liebe Gläubige! Schwestern und Brüder!
Gelobt sei der auferstandene Herr Jesus Christus, in
Ewigkeit. Amen.
Zum zweiten Mal schreibe ich euch seit dem Beginn
dieser schon inzwischen mehr als 5 Wochen
dauernden Corona-Krise einen Brief. Wenn wir uns
nicht persönlich und leibhaftig begegnen dürfen, tun wir das durch
dieses Mittel, das uns an die Zeit des frühen Christentums erinnert.
Die Karwoche und den Ostersonntag haben wir gebührend gefeiert, der
aktuellen Lage entsprechend. Heute ist schon der weiße Sonntag – oder
besser noch - Sonntag der göttlichen Barmherzigkeit. Als die Osterfreude
sich spürbar machte, konnte auch die Ausgangssperre gewissermaßen
gelockert werden. Nun hoffen wir, dass die Barmherzigkeit Gottes, die
wir besonders in dieser Woche feiern, weitere Erleichterungen bringen
kann. Es bleibt aber sehr wichtig, sich an die Vorgaben der Regierung zu
halten, damit die Zahl der Erkrankungen in unserem Land weiterhin
sinkt.



In meinem ersten Brief habe ich auf die Chance, die diese Zeit für uns
bereithält, hingewiesen – vor allem in Bezug auf die Familie. Vielleicht
habt ihr die „Unterhaltung“ zwischen dem Teufel und Gott auf Social
Media schon gelesen: „Teufel: Mit dem Covid-19 habe ich alle Kirchen
geschlossen. Gott: Ganz im Gegenteil! Ich habe eine in jedem Haus
eröffnet“.
Die Familie als Hauskirche. Das zweite Vatikanische Konzil hat schon in
der Kirchenkonstitution (Lumen Gentium 11) diese Stellung der Familie
hervorgehoben: „In solch einer Art Hauskirche sollen die Eltern durch
Wort und Beispiel für ihre Kinder die ersten Glaubensboten sein.“ Der
Hl. Papst Johannes Paul II. hat in seinem Apostolischen Schreiben über
die Familie „Familiaris Consortio“ den Gedanken noch präziser
ausgeführt, nämlich dass die christliche Familie als kleine Hauskirche die
große Kirche darstellt und verwirklicht (FC 21). Die Familie ist also der
Ort, wo die Kinder zu beten lernen und dadurch das Fundament für den
Glauben gelegt wird. Während dieser Krise machen sich viele Menschen
Sorgen um die Kirche. Oft vergessen sie aber, dass wir diese Kirche sind
– die Gemeinschaft und nicht bloß das Gebäude. Covid-19 stellt uns vor
die Herausforderung auf eine neue Art Kirche zu leben – was nicht ganz
neu ist. Die 1. Lesung des heutigen Sonntags aus der Apostelgeschichte
erinnert an diese Hauskirche: „Die Gläubigen hielten an der Lehre der
Apostel fest und an der Gemeinschaft, am Brechen des Brotes und an den
Gebeten... [Sie] brachen in ihren Häusern das Brot und hielten
miteinander Mahl in Freude und Einfalt des Herzens.“ (Apg. 2,42.45).
War für manche von uns die Sonntagspflicht eine Last, so freuen wir uns nun, dass wir Gottesdienst im neuen Geist erleben dürfen. Die Hauskirche dient dazu, uns erneut bewusst zu machen, wie mächtig die familiäre Gemeinschaft sein kann. Sie ist eine große Chance für die Zukunft unserer Kirche. Egal ob jede Familie die Gebetszeiten selbst bestimmt oder durch Livestream mitverfolgt, es bleibt wichtig, alles geordnet zu machen und als eine Aufgabe der Familie zu verstehen. Als Gestaltungshilfe sind immer Unterlagen in Vorraum der Kirche in Leobendorf abholbereit, oder man wendet sich direkt an www.netzwerk-gottesdienst.at.
Wenn wir zu Hause beten, soll uns bewusst sein, dass wir dadurch unsere Gemeinschaft nähren. Das macht auch der Priester vor Ort jeden Tag durch Gebet und die Feier der Hl. Messe. Deshalb ist es mir wichtig, das rechte Verständnis der Hl. Messe zu erläutern. Das oben zitierte Dokument der Kirche nennt die Eucharistie „Quelle und Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens“. Das gilt unverändert in unserer Zeit. Da die Corona-Krise es derzeit unmöglich macht, mit der physischen Gemeinde zu feiern, kann man deswegen das Tun des Priesters im Namen der Gemeinde nicht als privat bezeichnen, denn eine Privatmesse gibt es nicht. Der Priester feiert jeden Tag für die Gemeinde und auch im Geist mit der ganzen Gemeinde. Das mache ich derzeit immer um die Stunde der göttlichen Barmherzigkeit, also um 15.00-, und bitte um eure geistige Verbundenheit. Dieses geistige Mitfeiern ist aber nicht leicht zu verstehen. Und da liegt die große Herausforderung. Sie ermöglicht uns die Teilhabe an der Frucht der Feier der Eucharistie und mündet in der geistigen Kommunion. Aber dazu braucht es die Stille und die bewusste Teilnahme. Wir sollten uns dabei Zeit nehmen, und glaubt mir: Es funktioniert. Es heißt auch beim Kommunionvers heute: „Selig die nicht sehen und doch glauben.“
Wenn wir alle im Geist miteinander verbunden bleiben, dann erleben wir auf eine andere Art und Weise ein und dieselbe lebendige Gemeinschaft. Wir schöpfen täglich neue Kraft. Wer glaubt, ist nicht allein. So lange die Krise noch dauern mag, fühlen wir in uns die Kraft des Hl. Geistes, der uns am Leben hält. Das wünsche ich allen, während wir auf die Barmherzigkeit Gottes vertrauen und auf das Ende dieser Krise hoffen.
Euer Pfarrmoderator
Dr. Annistus NJOKU (066488593835)
Leobendorf, am 19. April 2020, dem Sonntag der göttlichen Barmherzigkeit.

Sonntag, 25. Oktober 2020