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Coronabrief 1 von Pfarrmod. Annistus Njoku

Liebe Pfarrangehörige! Schwestern und Brüder!

Seit unserer letzten gemeinsamen Feier der heiligen Eucharistie sind inzwischen 14 Tage vergangen. Wie geht es euch? Wie geht ihr mit den Einschränkungen um? Wie sieht die Gesundheit aus – körperlich wie seelisch? Wie ich schon zu Beginn dieser Krise sagte: Man muss Ruhe bewahren und nicht unnötig ängstlich werden. Manchmal tötet die Angst schneller als die Krankheit. Der Herr versichert uns bei uns zu sein und mit uns zu gehen. Ich wünsche allen weiterhin eine gute Gesundheit.



Wir feiern den 5. Fastensonntag und kommen langsam zum Höhepunkt des Kirchenjahres – Ostern. Schon ab dem Vorabend (des 5. Fastensonntags) werden die Kreuze und Bilder verhüllt. Vielleicht versuchen wir das auch zu Hause. Der 5. Fastensonntag lädt uns zum Glauben ein. Denn es heißt: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich  glaubt, wird leben auch wenn er stirbt, und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben“ (Joh. 11,25-26). Wir beten also für unsere Pfarrmitglieder, dass sie und wir alle im Glauben wachsen. Wir dürfen mit Marta bekennen: „Ja, Herr ich glaube, dass du der Messias bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll“ (Joh. 11,27).

Zu Beginn der Fastenzeit versuchen wir jedes Jahr einen Fastenvorsatz zu machen. Wir wollen Verzicht üben, mehr beten, Werke der Liebe vollbringen. Wir sind bemüht, uns daran zu halten. In diesem Jahr aber, sieht es so aus, als wären wir „gezwungen“, uns auf einiges einzulassen. Die Freiheit auszugehen – Sparziergang, Einkaufen, Arbeiten usw., wird uns genommen. Wir können nicht einmal den Frühling begrüßen wie gewohnt. Da hilft nur die besondere Gnade Gottes, um nicht zu verzweifeln.

Liebe Gläubige, nehmen wir das alles an als Ergänzung zu dem „was an den Leiden Christi noch fehlt“ (Kol.1, 24). Und nun: Wie geht es weiter? Dr. Anthony Fauci von der Coronavirus Taskforce der Vereinigten Staaten sagt: „Das Virus gibt den Zeitplan an“. Das stimmt zum Teil. Deshalb sind wir gezwungen alle bevorstehenden Termine der Pfarre bis auf weiteres abzusagen:  Erstkommunion, Firmung, Fronleichnam usw. Da Gott aber unser Geschick lenkt, werden wir die Karwoche und Ostern halten, wenn auch im kleinen Kreis, in Stellvertretung für die gesamte Pfarrgemeinde. Ich ermutige alle im Geist mitzufeiern. Es wird nicht anders sein als in den vergangenen 14 Tagen. Nur die Uhrzeit wird angepasst, der Karwochen-Liturgie unserer Pfarre entsprechend: Palmsonntag mit Palmweihe 10.00 Uhr, Gründonnerstag 19.00 Uhr, Karfreitagliturgie 19.00 Uhr, Osternacht 20.00 Uhr; Ostersonntag 10.00 Uhr. Ich würde mich sehr freuen, wenn viele Pfarrmitglieder zu Hause ganz bewusst mitfeiern würden. Am Ende folgt die geistige Kommunion. So kann man beten:

Jesus, ich glaube, dass du gegenwärtig bist im allerheiligsten Altarsakrament.  Ich liebe dich über alles, ich sehne mich nach dir von ganzem Herzen. Da ich dich jetzt nicht in der sakramentalen Gestalt empfangen kann, bitte ich dich, geistigerweise in mein Herz zu kommen. Ich bin sicher, dass du schon gekommen bist. Daher umarme ich dich und vereinige mich ganz mit dir, halte mich fest und lass mich niemals von dir scheiden.

Mein Jesus, ich liebe dich aus ganzem Herzen, ich bereue es, dass ich sovielmal das Vergängliche deiner unendlichen Güte vorgezogen habe. Mit deiner Hilfe nehme ich mir fest vor, in Zukunft dich nie mehr zu beleidigen. Und jetzt weihe ich mich Armseliger ganz dir. Ich verzichte ohne Vorbehalt auf meinen eigenen Willen, mein Begehren, auf alles, was ich habe. Ich übergebe mich ganz dir. Von heute an darfst du mit mir und mit allem, was ich besitze, machen was du willst. Ich suche ganz allein dich, ich verlange nach nichts anderem, als nach deiner heiligen Liebe, nach der Beharrlichkeit bis ans Ende und nach der vollkommenen Erfüllung deines Willens. Amen.

Dieses bewusste Wahrnehmen der Gebetszeit und Mitfeiern lässt uns reichlich am Opfer Christi teilhaben. Was könnte besser sein in dieser herausfordernden Zeit?

Außerdem sollen wir diese Zeit positiv gestalten als eine Gebetsschule. Die Familie ist zusammen wie noch nie zuvor. Nehmen wir die Angebote aus dem Fernsehen an und beten wir mit bei Live-Übertragungen der Hl. Messe. Nutzen wir diese Gelegenheit, um das Familiengebet zu fördern. Wenn die Kinder merken, dass ihren Eltern das Gebet etwas bedeutet, werden auch sie ermutigt, Gott auf diese Weise mehr zu vertrauen. Es ist nicht alles verloren.

Diese herausfordernde Zeit lehrt uns positiv zu denken: Es geht doch anders! Die Natur erholt sich. Wir wissen, dass das Ökosystem schwer belastet war und kurz davor zusammenzubrechen. Nun aber ist die Luftqualität besser geworden. Vielleicht war das eine notwendige Pause zu unserem Wohl. Denn „was Gott tut, das ist wohlgetan“.

Zum Schluss: Nehmen wir die Worte des Propheten Hosea an, als Einladung zur nötigen Umkehr: „Kommt, wir kehren zum Herrn zurück! Denn er hat Wunden gerissen, er wird uns auch heilen; er hat verwundet, er wird auch verbinden, nach zwei Tagen gibt er uns das Leben zurück, am dritten Tag richtet er uns wieder auf, und wir leben vor seinem Angesicht“ (6,1-3). So beten wir: „Barmherziger Gott, lenke du selbst unsere Herzen zu dir hin. Lenke unseren Willen, auch wenn er sich auflehnt, und dränge ihn zu dir hin.“ Amen.

Im Vertrauen auf Gottes Barmherzigkeit und auf seine Macht, alles zum Guten hin wenden zu können, verbleibe ich in Liebe und Demut euer

                               Pfarrmoderator Dr. Annistus Njoku  (066488593835)

Donnerstag, 22. Oktober 2020