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Pfarrgarten©
Geschichte der Pfarre Leobendorf

Die Geschichte der Pfarre Leobendorf ist sehr wechselvoll und lässt sich weit zurückverfolgen. Geschrieben von Bertl Karner.



Graf Dietrich von Formbach wählte im Zuge der Erweiterung der Ostmark durch die Babenberger um 1115 Kreuzenstein zum Zentrum seines Machtbereiches. In dieser Zeit dürfte die ehemalige Leobendorfer Urpfarre bestanden haben, die ein recht großes Gebiet umfasste:

Stammersdorf, Enzesfeld, Kleinengersdorf, Flandorf, Hagenbrunn, Bisamberg, Stetten, Jedleersee, Langenzersdorf, Korneuburg, Tresdorf, Ober- und Unterrohrbach, Kleinwilfersdorf sowie die abgekommenen Ortschaften Atzelsdorf, Hetzelsberg, Beheimreith und Gänserfeld.

Auch wenn die Pfarre mit ihrem Zentrum in Leobendorf nirgends ausdrücklich erwähnt wird, so ist von einer ersten Kirche spätestens um 1100 zu rechnen, die ursprünglich der heiligen Maria geweiht war. Erst anlässlich der Visitation von Bischof Wolfker aus Passau wird 1203 urkundlich die Pfarre erstmals erwähnt.

Später wurde die "Pfarrkirche zu Leutmansdorf unter dem Kreuzenstein", wie sie damals hieß, von der zuständigen Diözese Passau dem Augustiner-Chorherrnstift Waldhausen im unteren Mühlviertel zugewiesen; dieses Kloster mit seiner bis heute sehr sehenswerten frühbarocken Stiftskirche prägte die Geschichte unserer Pfarre bis zum Aufhebungsedikt von Kaiser Josef II im Jahre 1786, wodurch auch Waldhausen aufgelöst wurde. Das Stift Waldhausen ließ bei uns den Pfarrhof in Leobendorf weit über die Erfordernisse der Pfarre hinausreichend anlegen. Der Grund war, dass der Pfarrhof auch als Quartier der Klostervorstehung auf ihren Fahrten in die Residenzstadt Wien diente.

Kaiser Josef II. erreichte in Rom die Neuregulierung der Diözesen und auch eine Neuregulierung der Bistumsgrenzen für den Erzbischofsitz (seit 1722) in Wien, die heutige jetzige Erzdiözese Wien. Damit verloren das mächtige Erzbistum Salzburg und die Diözese Passau - einst Träger der (Wieder-) Christianisierung in Österreich - endgültig ihren Einfluß auf die Gegend des heutigen Weinviertels.

Im Laufe der Geschichte verkleinerte sich das Pfarrgebiet von Leobendorf immer wieder. So gingen - begünstigt durch die Klostergründung von Klosterneuburg und das Absterben der männlichen Linie der Formbacher im 13. Jahrhundert - Korneuburg, Langenzersdorf und Jedlesee verloren. 1353 erfolgte die Auspfarrung von Stetten; 1549 ging die Pfarre St. Veith (Kleinengersdorf) an das Schottenstift in Wien; 1785 wurde Wilfersdorf eine selbständige Pfarre und 1912 kamen schließlich Unter- und Oberrohrbach zu Kleinwilfersdorf.

Zahlreiche kriegerische Auseinandersetzungen und verheerende Feuersbrünste setzten der Pfarrkirche und dem Pfarrhof stark zu. Um 1430 wurde auch Leobendorf von den radikalen Hussiten - religiös-nationale Glaubenskämpfer aus Böhmen - auf ihrem Vormarsch nach Wien in Schutt und Asche gelegt. Übrigens hat in diesen schweren Zeiten ein großer Sohn aus dem nahen Haselbach, Thomas Ebendorfer, als Dekan der Universität Wien, als Abgesandter des tagenden Konzils von Basel und als Diplomat in allerhöchstem Auftrag mit den Vertretern der Hussiten wegen ihrer vier böhmischen Artikel in Prag und in Brünn verhandelt -Laienkelch, öffentliche Bestrafung von Todsünden - auch von Priestern, Predigtfreiheit für alle Christen und schließlich Abschaffung des weltlichen Besitzes der Kirche.

1645 marschierte ein Schwedenheer unter dem gefürchteten Feldmarschall Torstenson ein, sprengte die Burg Kreuzenstein - wie viele andere Burgen des Weinviertels auch - und rottete fast die ganze Bevölkerung aus. Viele Häuser, der Pfarrhof und die Kirche wurden erheblich beschädigt.

1733 wurde die Kirche und der im Ausbau befindliche Pfarrhof ein Raub der Flammen; 1805-09 waren Napoleons Soldaten im Dorf einquartiert, auch im Pfarrhof. Nach der für die Franzosen siegreichen Schlacht bei Wagram - knapp zuvor musste Napoleon seine erste schwere Niederlage bei Aspern einstecken - setzten sie Leobendorf in Brand. Schließlich musste die Bevölkerung unmittelbar nach dem 1. Weltkrieg viel Not ertragen; Ende des 2. Weltkriegs verlief bei Leobendorf eine Hauptkampflinie gegenüber den Russen und erneut richtete das Kriegsgeschehen große Schäden im Ort an.

Vielen Dank den Nachfahren von Hr. Johann Göttinger für die Erlaubnis Bilder und Textpassagen aus seinen zwei Büchern "Leobendorf unter dem Kreuzenstein" und "Leobendorf wie´s einmal war." zu verwenden!!!

Donnerstag, 22. Oktober 2020