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Die Leobendorfer Madonna

Fast wie ein Krimi



Gestohlen, entdeckt, zurückgekauft: Die Heimkehr der Leobendorfer Madonna! Die feierliche Heimholung der Leobendorfer Madonna in die Pfarrkirche fand am 12. Juni 2004 um 18.00 Uhr statt.

Aus der Wiener KirchenZeitung Nr. 4 vom 25. Jänner 2004.

1972 wurde sie aus der versperrten Pfarrkiche gestohlen, demnächst kehrt sie nach Leobendorf zurück: Die von Jakob Kaschauer geschaffene spätgotische Madonna. Mehr als 30 Jahre lang galt sie als verschwunden, bis sie im Oktober 2003 auf der Münchner Kunstmesse bei einer Routinekontrolle vom dortigen Landeskriminalamt entdeckt wurde. Und dies, obwohl die Figur nach dem Diebstahl abgelaugt wurde, und alle Farbspuren getilgt sind.

Diozösankonservator Hildegund Schreiber schilderte der Kirchenzeitung diesen „Kunstkrimi“, im Mittelpunkt eine der bedeutendsten Plastiken aus dem zweiten Drittel des 15. Jahrhunderts. Johann Pointner, ein früherer Pfarrer von Leobendorf, konnte in München die Statue als Leobendorfer Madonna identifizieren, die ein Antiquitätenhändler aus Amsterdam 1998 bei Sotheby’s in New York um 50.000 Dollar gekauft hatte.

Um die von der Kripo einstweilen sichergestellte Madonna zu erwerben, setzte Schreiber alles in Bewegung: "Die Erzdiözese Wien, das Land Niederösterreich und die Gemeinde Leobendorf trugen je ein Drittel zum Rückkauf dieser Statue um 50.000 Euro bei."

Um Kosten für den Rücktransport zu sparen, fuhr Schreiber mit ihrem Gatten, HR DI Gerhard Schreiber, am 16. Dezember nach München und brachte die Madonna am Tag danach im Kofferraum des Autos nach Österreich zurück. Schreiber: "Unser Dank gilt insbesondere Kriminaloberkommissar Dieter Sölch für die Hilfe und Begleitung bei der Übergabe."

Die Leobendorfer Madonna, laut Schreiber das wertvollste Kunstwerk, das nach einem Diebstahl wieder zurück in kirchlichen Besitz gelangte, ist ein Werk von Jakob Kaschauer (gestorben 1463). Er hatte seine Werkstatt in Wien, schuf u.a. auch die Pieta in der Wiener Michaelerkirche, sowie die lebensgroße Bittstatue Friedrichs III. in der Burg in Wiener Neustadt.

Die spätgotische Madonna von Leobendorf, aus Nussholz geschnitzt, ist 111,8 Zentimeter groß und war mit einem langen blauen Kleid mit goldener Kapuze bekleidet. Maria hält das nackte Jesuskind in den Armen, dieses hatte einen roten Apfel in der Hand. Der "Apfel" erinnert an den Sündenfall durch Eva. Christus hält den Apfel: Er nimmt durch seinen Kreuzestod diese Sünde zurück.

(Bertl Karner)

Donnerstag, 22. Oktober 2020