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800 Jahre

Im Jahre 1203 wurde unsere Pfarre erstmals urkundlich erwähnt. Dies ist nur die erste erhaltene Urkunde über die Pfarre, es darf aber angenommen werden, dass es schon seit rund 1000 Jahren in unserer Gegend Christen gibt! (Aus der Festschrift 800 Jahre Leobendorf)



Das 800 Jahr Jubiläum wollten wir ausgiebig feiern! Doch bevor wir es so richtig feiern konnten, wollten wir noch eine dringend notwendige Sanierung der Pfarrkirche (vor allem eine Innenrenovierung) vornehmen! Nach der Erstkommunion am 27. April wurde die Kirche "gesperrt" und die Firmen hatten das Sagen: Die Arbeiten hatten die gesammte Innenrenovierung umfasst: Ausmahlen, Lautsprecheranlage, Rückführung Hochaltar, Belüftung verbessern, Altarraum umgestalten, Bilder restaurieren, großes Orgelservice, Beleuchtung und einiges mehr! Nach Abschluß der Renovierung wurden die Feierlichkeiten abgehalten!

800 Jahre Pfarre Leobendorf

Die Anfänge unserer Pfarre

Nach Karl Gutkas „Geschichte Niederösterreichs" hat das Christentum in Norikum - damals eine römische Provinz an der Nordgrenze des römischen Reiches - um 250 n. Ch. Fuß gefasst.

Zu Norikum ripense (Ufernorikum) gehörte damals das Gebiet von Passau bis Komorn. In diese Zeit fällt der Märtyrertod des römischen Offiziers und Bürovorstehers Florian, der in Zeiselmauer geboren wurde und im Jahre 304 bei einer von Kaiser Diokletian angeordneten Christenverfolgung mit 40 anderen zu Tode kam.

313 wurde das Christentum im römischen Reich anerkannt, das heißt, die meisten Städte wurden Bischofssitze, von denen aber jegliche Urkunde fehlt.

Seit die Langobarden 568 nach Italien abgezogen waren, wird unser Gebiet von slawischen Stämmen bewohnt; die Westgrenze dürfte der Melkfluss gewesen sein. Westlich davon war der bayrische Einfluss vorherrschend. 739 wurden die Bistümer Regensburg, Freising, Salzburg und Passau gegründet. Östlich von Melk war deutlich slawischer Einfluss vorherrschend. Seit dem Jahr 800 erhielten die Hochstifte Bayerns, einige Klöster und verschiedene weltliche Grundherrn herrenloses Land mit der Verpflichtung, dieses Land zu kultivieren. In jedem neu gegründeten Ort musste ein Gotteshaus stehen. Es war die Aufgabe des Grundherrn, diese Kirche zu bauen, zu erhalten und einen Priester zu senden.

Um das Jahr 1094 stiftete der Graf von Neuburg-Formbach das Benediktinerkloster Formbach. Wie Dr. Karl Lechner in seiner Siedlungsgeschichte ausführt, hatte dieses Kloster einen großen Anteil an der Kolonisierung der „Babenberger Mark". Betrachtet man, dass die Mutter des Babenberger Grafen Leopold III. eine Formbacherin war, so kommt den Aufzeichnungen des Abtes Wituro (1108-1128) entscheidende Bedeutung zu. Graf Ekbert von Formbach (gestorben 1109) schenkte nämlich seine in Kleinengersdorf gebaute Kirche dem Kloster, deshalb ist die Gründung der Mutterpfarre Leobendorf weitaus früher anzusetzen.

Laut « MB. L, S. 282 » ist die Pfarre Leobendorf eine Gründung der Grafen von Formbach-Neuburg, die hier als Grundherrn nachweisbar sind, oder der Grafen von Wels-Lambach als deren Besitzvorgänger. Im Formbacher Saalbuch finden wir die Eintragung, dass Abt Berenger, der im Jahre 1108 starb, die Pfarre St. Veit gründete, « wörtlich: eccle siam apud Engilprechtsdorf-Kleinengersdorf - et villamnomineWerth». Auch hier werden Besitzungen der Formbacher bis weit hinein nach« Pannonia superior » erwähnt.

Im Wiener Diözesanblatt 1897, Seite 268 ff lesen wir: Gründung der Pfarre Leobendorf um 1050. Von dieser Pfarre wird getrennt: 1100 Kleinengersdorf St. Veit.

Laut einer Melker Urkunde, die den Namen Grizanestein erstmalig erwähnt, weihte am 10. Feber 1115 der Passauer Bischof Udalrich die Pfarrkirche ein und bestätigte den Zehenttausch mit Melk. Als Zeuge tritt unter anderen der Urenkel jenes Pilgrim auf, der am 1. Juli 1002 für Kriegsdienste die Feste Kreuzenstein von König Heinrich II. als Dank erhalten hatte. Jener Pilgrim war aus dem Geschlecht der Formbacher.

Weiters wissen wir, dass jene « Leobendorfer Pfarre unterm Kreuzenstein », Stammersdorf, Enzesfeld, Kleinengersdorf, Bisamberg, ja Jedlesee, - nach anderen Quellen Orte bis weit in die heutige Slowakei - pfarrlich betreute. Sind wir wirklich vom Westen christianisiert worden? Oder liegen unsere christlichen Wurzeln früher? Bedenken wir:

Die Slawenapostel Cyrill und Method waren vor 867 im Großmährischen Reich als Missionare tätig, schufen die Glagoliza - eine vor 862 geschaffene slawische Schrift der kirchlichen Texte; nach päpstlichem Dekret durfte auch die Messe in dieser Volkssprache gelesen werden. Wo waren die Grenzen der Pfarre Leobendorf?
Der Slawenfürst Pribina, Fürst von Nitra, einer Stadt in der Nordostslowa kei, wurde nach der Ausbreitung des Großmährischen Reiches von seinem Kontrahenten Moimir I. vertrieben, er flüchte und kam dabei durch unser Gebiet nach Traismauer, zum bairischen Präfekten Radbot, dem Bischof von Passau entgegen. Pribina wurde in der Martinskirche zu Traismauer getauft, nach seiner Heimkehr war er der erste Bischof von Nitra.

Es liegt die Vermutung nahe, dass unser Gebiet erstmals von Osten her christianisiert wurde, wie in der Chronik von Niederhollabrunn vermutet wird.

Diese Vermutung, besonders die Erwähnung der Pfarre unter der Kreuzenstein ist aber in den Wirren vor und nach der Schlacht am Lechfeld 955, der berühmten Schlacht Kaiser Ottos I. gegen die Ungarn, verlorengegangen.
Erste Erwähnung der Gemeinde Leobendorf

St. Markus zu Leobendorf ist Altpfarre der Korneuburger Bucht; innerhalb des Wels- Lambacher Eigenbesitzes ist eine Gründung vor oder um 1050 anzunehmen. Der gedrungene Innenraum unserer Pfarrkirche in den Maßen 13,70 x 15,40 ließe dies vermuten. Laut Angaben des „Heimatbuches des politischen Bezirkes Korneuburg" ist die Pfarre 1147 schon genannt. Die Formbacher waren große Marienverehrer; so weihten sie die neu gegründeten ihnen unterstehenden Kirchen ebenfalls der hl. Maria. Wie die Älteren von uns noch wissen werden, war das Kirchweihfest bis zur Hälfte des 20. Jahrhunderts am 15. August. In einer Notiz aus 1902 wird die Kirche noch als Kirche St. Marien ausgewiesen, obwohl seit dem Mittelalter der hl. Markus zum Kirchenpatron erwählt wurde. Es ist weiters festzuhalten, dass zwar durch die Pfarrerhebung von St. Veit in Kleinengersdorf der Pfarrsprengel Leobendorfs eingeschränkt wurde, aber die Pfarre Leobendorf schon bestanden haben musste. Es war die Zeit, als die Stiftung Markgraf Leopolds III. begonnen wurde, Grundsteinlegung in Klosterneuburg war 1114!

Obwohl die von der Herrschaft Kreuzenstein errichtete Pfarre nicht erwähnt wird, ist die erste Kirche sicherlich die Marienpfarre auf dem Lindenbichel, die spätestens um 1100 errichtet wurde. Plan der ersten Kirche: Schließlich sei noch erwähnt, dass im Jahre 1132 ein Ministeriale des Kreuzensteiners Hartwicus von Lubendorf einen Hörigen Engilluben an die Marienkirche zu Klosterneuburg gibt. Es ist dies die erste urkundliche Erwähnung Leobendorfs. Leobendorf scheint bereits um diese Zeit Pfarre gewesen zu sein. Nach den in der Mitte des 19. Jahrhunderts erfolgten Aufzeichnungen des Pfarrers Etzel war unter den damals in der Kirchenlade auf bewahrten Urkunden auch eine Pergamentsammlung der päpstlichen, bischöflich-passauischen und landesfürstlichen Dekrete, sowie Urkunden des Stiftes Waldhausen, die die Pfarre Leobendorf betreffen. Diese Urkunden aus den Jahren 1147 bis 1505 sind leider verloren gegangen. Diese Sammlung lässt den Schluss zu, dass Leobendorf schon im Jahre 1147 Pfarre war. Die Kirche von Leobendorf dürfte eine Gründung der Grafen von Formbach sein, sie fällt in die erste Hälfte des elften Jahrhunderts.

Die erste schriftliche Erwähnung

Schließlich wird 1203 die Kirche in Leobendorf als Pfarrkirche bezeichnet. Nach der am 20. Juni ausgestellten Urkunde eximierte der Bischof Wolker von Passau die beiden Brüder Wernhard und Bruno von „Busenberch", das ist das heutige Bisamberg, von der Pfarre „Liubendorf' als Mutterpfarre in der Weise, dass sie für ihre Familienmitglieder und Kolonen, welche ihre Felder bebauten, in der Schlosskapelle in Bisamberg die Taufe und die Beerdigung vornehmen durften. In Anbetracht ihrer eifrigen Fürsorge wurde ihnen auch das Patronatsrecht über die Kapelle verliehen. Die übrigen pfarrlichen Rechte der Kirche Leobendorf sollten nicht berührt werden.

Diese Originalurkunde ist im Haus-, Hof- und Staatsarchiv. Die Heim von Bisamberg schlössen ein freiwilliges Übereinkommen. Sie verpflichteten sich dem Pfarrer Mangot, dem ersten namentlich genannten Pfarrer von Leobendorf, zum Entgelt eine„halbe Hube" - wörtlich: „dimidium mansum" - ihres Eigentums und ein gleichwertiges Grundstück in Leoben dorf zu überlassen. Diesem Rechtsakt wohnten der Burgherr und Patron der Pfarre Leobendorf, Dietrich von Kreu zenstein, und Herbert und Albert von„Beheimrude", einem verschollenen Ort bei Leobendorf, als Zeugen bei. Im Buch „Merkwürdige Schicksale des Stiftes und der Stadt Klosterneuburg" (Band E) von Fischer, lesen wir auf Seite 164, dass der Pfarrer von Leobendorf Herandus mit der Zustimmung seines Patronatsherrn, des Grafen Dietrichstein von Wasserburg-Kreuzenstein, mit dem Probst von Klosterneuburg einen Grandtausch durchführte. Der Platz der jetzigen „Korneuburger Kirche", der damals zur Pfarrre Leobendorf gehörte, wurde getauscht, um einen Neubau der Kirche zu ermöglichen. Die alte Korneuburger Kirche war durch wiederholte Überschwemmungen in steter Gefahr. Bischof Mangold von Passau bestätigte im gleichen Jahr den abgeschlossenen Tausch, wie wir im Buch von Josef Kopallik „Österreich unter den Babenbergern" nachlesen können.
Im Jahre 1232 schenkte Konrad von Wasserburg, der Letzte seines Hauses, die Pfarre Leobendorf an das Kloster Attel. An der Nordseite unserer Kirche, neben dem ersten Strebepfeiler, ist ein vermauertes Spitzbogenfenster zu sehen, das auf einen nächsten Bauabschnitt - eine einschiffige, gotische Kirche - aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts hinweist. Während der Regierung Premysl Ottokars wurde die Kirche aus unbekannten Gründen landesfürstlich, er war Patronatsherr über die Pfarre. Im Jahre 1260 schenkte er sie mit dem Patronatsrecht dem Deutschen Orden. Der Bischof von Wien gab die Verpflichtung, einen Vikar aus dem Säkular- oder Regularkleras anzustellen und ihm ein Gehalt zu geben, damit er seine Schuldigkeiten nach „Gewohnheit und in Art der anderen Pfarren in der Diözese" nachkommen könne.

Im Jahre 1345 erlaubte Herzog Albrecht II., genannt der Weise, den Stettnern einen Pfarrer anzustellen. Die Erlaubnis wurde gegeben, da zwischen Stetten und Leobendorf Gewässer lagen, die den Kirchenbesuch unmöglich machten, auch konnten manche vor ihrem Tod nicht mehr die Sakramente empfangen. Der Pfarrer von Stetten wird vom Pfarrer in Leobendorf mit der Kirche belehnt und hat ihm jährlich ein Pfund Wiener Pfennige für den kleinen Zehent zu überweisen. So nachzulesen im „Urkundenbuch des Landes ob der Enns" Band VE. Der Deutsche Orden war nicht nur Patron der Pfarrkirche, er erwarb auch mehrere Gründe, wie ein Kaufbrief um das Jahr 1380 beweist. Darin wird dem Bruder Friedrich von Wobart, Landkomtur der Deutschen Herrn, neben anderem auch sechs Hühner, die man „haizzet holczhühner" nannte verkauft. Diese „Holzhühner" sind die Abgeltung für die Berechtigung der Holznutzung im Wald. Das Verhältnis Kirche - Landesfürstentum wird deutlich, wenn man das aus dem Jahre 1409 erhaltene „Weistum" liest.

Es hat den Titel: „Hie seins vermerkt des aigens recht zu Leobendorff unter dem Greitzenstein, als sie mit alter sind herkommen anno Domini MCCCC nono, sabbatho Pankreati".

Neben den sonst üblichen Rechtsauffassungen sind die Bestimmungen über das Verhältnis des Ortes zum landesfürstlichen Burggrafen auf Kreuzenstein über Erntezwang und Lehensdienst an den Landesfürsten zu finden. Es ist auch die Niklaskapelle auf Kreuzenstein erwähnt. Das Weistum von Leobendorf ist nicht nur eines der ältesten, es ist auch eines der umfangreichsten mit 36 Abschnitten.
Die Pfarre wird zeitweise mit dem Stift Waldhausen inkorporiert

Einen gewichtigen Markstein in der Geschichte unserer Pfarre stellt das Jahr 1408 dar. Herzog Leopold von Österreich hatte als Vormund des minderjährigen Albrecht V., des nachmaligen Kaisers Albrecht II., und als Verweser des Landes die Lehenschaft der Pfarre Leobendorf, sowie das Patronat über die Kirche dem Augustiner-Chorherrenstift zu Waldhausen verliehen. Waldhausen, 1147 von Otto von Machland gegründet, war durch seine 10 inkorporierten Patronatspfarren der religiöse Mittelpunkt des unteren Mühlviertels.

Zur Zeit der Inkorporation Leobendorfs hatte das Stift an einer Verminderung der Einkünfte und Erträge sehr gelitten, es reichte nicht mehr zu dessen Erhaltung. Diesem Notstand sollte durch die Verleihung der Pfarre Leobendorf abgeholfen werden. Die Pfarre Leobendorf verfügte über einen beträchtlichen Besitz und wurde als eine„erträgliche" eingeschätzt, weshalb Waldhausen drei andere Pfarren für sie gab. Die Pfarre warf damals einen jährlichen Betrag von zwanzig Mark Silber ab. Obendrein sollte auch noch für das Stift ein materieller Nutzen herauskommen. Mit dem Tode des Pfarrers von Leobendorf, Rudolf von Zofingen, gelangte defacto Leobendorf an das Chorherrenstift Waldhausen und sollte bis 1826 diesem inkorporiert bleiben.

Abt Thomas von den Schotten in Wien, der von Papst Gregor XII. beauftragt wurde, die Inkorporation durchzuführen, teilte dem Bischof Georg von Passau und dem Weihbischof dieauf Grund der Bulle vom 10. September 1408 vollzogene Inkorporation mit. Es folgte eine Zeit der Unsicherheit, da diese Schenkung nur auf Lebenszeit gegeben wurde, die Pfarre dann wieder an den Landesfürsten zurückfallen sollte. Das Patronatsrecht über die Pfarre blieb aber in Waldhausen bis zum Tode des Probstes Otto.

In diese Zeit fällt auch die Inschrift am Neubau des Turmes: A.d. MCCCCXXXV factum est hoc opus. Im Jahr des Herrn 1435 ist dieses Werk gebaut. Schließlich, unter der Führung des Projbstes Martin, wurde die Pfarre Leobendorf endgültig von Waldhausen aus geführt. In einer Urkunde aus dem Jahre 1451 erklärt Kaiser Friedrich IV., dass er die Pfarre Leobendorf abtritt, dafür aber die Pfarren Grein, Kreuzen und Simonsfeld, die seit 1146 dem Stifte Waldhausen gehörten, in seinen Besitz nimmt. Auch diese Urkunde ist im Haus-, Hof- und Staatsarchiv noch vorhanden. Im Jahr 1459 bekräftigte der Kaiser nochmals den Wechsel und stellte fest, dass er die Pfarre „gegen männiglich Ingriff und Hinderniß schützen und beschirmen wird".

Der Leobendorfer Besitz ist festgehalten im „Inventarium des großen Archivkasten zu Waldhausen". Diese wertvolle Sammlung befindet sich im Museum in Linz. 2 Siegel an Pergamentstreifen l. Ein- köpfiger aufsteigender Adler, Nach 11 rechts gewendet. Umschrift: Sigillum conventus in Waldhosen. 2. Christus predigend mit Kelch in der Linken, unter Baldachin. Darunter der Probst von Waldhausen Otto Sweinpekh. Umschrift: Sigillum Ottonis prepositus.

Bruderzwist brachte Krieg

Der Zwist zwischen Kaiser Friederich III. und seinem Bruder, dem Herzog Albrecht VI, brachte den Krieg auch nach Leobendorf. König Georg von Podiebrad rückte mit seinem Heer nach Korneuburg vor. Er errichtete die damals gefürchtete Wagenburg bei Leobendorf. Über die Schäden ist nichts überliefert, doch werden aus den Jahren 1478, 1484, 1488 - 1490 Beiträge zum Bau der Kirche gemeldet. Wahrscheinlich handelt es sich auch um Schäden aus den Jahren 1477 und 1482, als Mathias Corvinus sein Hauptquartier in Korneuburg hatte. Seine Soldaten belagerten die Burg, konnten sie aber nicht einnehmen. Die ersten dreißig Jahre des 16. Jahrhunderts waren durch Differenzen der Pfarre mit verschiedenen Grundherrn geprägt. Es wird von Verhandlungen mit dem Schottenstift Wien, mit den Stiften Klosterneuburg und Heiligenkreuz, sowie dem Frauenkloster St. Clara zu Wien berichtet. Dem geschickten Handeln des Probstes von Waldhausen, Konrad, ist es zu danken, dass der Besitz der Pfarre Leobendorf gesichert und alle diesbezüglichen Fragen für Leobendorf günstig gelöst werden konnten.
Die Reformation in Leobendorf

Im Jahre 1544 fand eine Visitation aller Klöster und Pfarren statt. Sie ist als„Große Kirchenvisitation" bekannt. In diesem Bericht steht über die Lage in der Pfarre Leobendorf:„Pfarrhof und Kirche abgebrannt, Probst von Waldhausen und die Gemeinde sind Willens, sie (gemeint ist die Kirche) wieder aufzubauen; Der Pfarrer ist allein; Küsling, Verwalter des Herrn Georg Grabmer (er war Besitzer eines Teils von Tresdorf), entzieht dem Pfarrer einen Getreidezehent auf einem Hof in Tresdorf. Der Pfarrer unterhält einen Schulmeister". Es ist die erste Erwähnung einer Schule in Leobendorf.

Im Jahre 1555 war Alexander Puechner, regulierter Chorherr, Pfarrer in Leobendorf. Über sein Verhältnis zur Reformation ist nichts bekannt. Ihm folgte im Jahr 1568 der verheiratete Weltpriester Nikolaus Seser als Pfarrer. Nach seinem Tod 1575 setzten seine Kinder einen Grabstein aus rotem Marmor. Seser wurde mit seiner Gattin in der Kirche beigesetzt. Bei der Kirchenrenovierung 1974/75 wurde der Stein im Vorhaus der Kirche situiert, vom Grab selbst konnte nichts mehr gefunden werden.

Der Grabstein zeigt eine Hostie und trägt die Inschrift:„Anno Domini MDLXXV den XX. Tag February ist in Gott verschieden, der Erwürdig und geistlich Herr Nicolaus Seser, Pfarrer allhier zu Leupendorf. Dem Gott gnädig und barm herzig seyn wolle. Amen. Seine Hausfrau Kaderina Seserin."

Im folgte 1576 Bartholomäus Häring. In der Anwesenheitsliste einer Synode in Passau des Jahres 1576 fehlt sein Name. Es ist nicht anzunehmen, dass er krankheitshalber nicht erschien. Wegen der Wichtigkeit der Tagesordnung wäre sonst eine Anmerkung gemacht worden. Es ist vielmehr anzunehmen, dass Häring schon im Jahr 1576 mit der Kirche gebrochen hat. Als Häring ein zweites Mal heiraten wollte und sich dabei offen zum Protestantismus bekannte, entsetzte ihn der Probst von St. Stephan, Kiesel, der Pfarre, suspendierte ihn und verurteilte ihn zu lebenslanger Haft auf Greifenstein. Er wurde später begnadigt.

Zu seinem Nachfolger wurde vom Probst von Waldhausen Herr Hans als Pfarrer eingesetzt. Vom Pfarrer von Korneuburg ließ er sich einen Bericht folgenden Wortlautes schreiben:„Der Pfarrer Herr Hans ist ein Conventual von Waldhausen, ein bescheidener, stiller, in Konversation gelegener Mann. Hält alle Sonntag das Amt der Mes, unter der Mes pflegt er zu predigen; die Comunion braucht er unter beiden Gestalten, reicht aber unter einer Gestalt denen, die solches von ihm begehren, consecriert sub missa, hört particulariter Beicht... Conversiert bei den Seinigen gemeiniglich nur in Hosen und Wams, ... gestaltiger einem Kaufmann denn einem Conventualpriester ohne klösterlichen Habit".

Erst mit Pfarrer Georgius Khail, der am 17. April 1602 ernannt wurde, ist die Pfarre wieder katholisch.

Der Schwedenkrieg

Aus der Zeit der Schwedenkriege wird uns berichtet, dass viele Leobendorfer in das befestigte Korneuburg flüchteten. Das Taufbuch der Pfarre Korneuburg zeigt auf, dass einige Kinder aus Leobendorf und Tresdorf dort geboren wurden. Die Burg, damals im Besitz des Karl Freiherrn von Saint-Hilaire, wurde zum kaiserlichen Stützpunkt gegen die heranrückenden Schweden. Der schwedische General Linnard Torstenson eroberte die Burg und hatte hier sein Quartier, um von hier aus mit Rakoczy den Entscheidungsschlag gegen Wien zu führen.

Torstenson wurde durch das von Erzherzog Leopold geführte kaiserliche Heer bedroht und beschloss den Rückzug. Er ließ im Oktober 1645 die Burg sprengen und verließ schwer gichtkrank unser Gebiet. Die Ortschaft Leobendorf, mitsamt der Kirche, wurden ebenfalls von den Schweden zerstört.

Keine Nachricht oder Urkunde gibt uns Auskunft über das Ausmaß der Verwüstung oder den Schaden für die Bevölkerung. Mit dem Jahre 1660 beginnt die Kirchenrechnung der Pfarre Leobendorf. Sie ist fast lückenlos bis zur heutigen Zeit erhalten und eine wichtige Geschichtsquelle. Vom 17. Jahrhundert bis zum Jahre 1848 war die Pfarre wirtschaftlich gut gestellt.

Herausgreifen will ich das Jahr 1733. Es war das Jahr des großen Feuers. Lassen wir den damaligen Pfarrer berichten:
„Die Kürchen zu Leubendorff ist ein armes Gotteshaus, welches anno 1733 durch eine entsetzliche Feuersbrunst sambt dem ganzen Dorff in die aschen gelegt worden, und weillen wegen allzugeringen auch fast kaum erklöcklichen jährlichen Einkünften desselben zu höchst notwendiger Reparation und Herbeyschaffung anderer Notwendigkeiten damals große Capitalien haben miessen aufgenommen werden, so ist demselben bis zum heutigen Tag nichts anderes als eine große Schuldenlast noch übrig verblieben."

An anderer Stelle schreibt er:„Die Kirchen ist allhier gleichfalls durch dieses Feyer mit Zerschmelzung der Glocken, Abbrennung des Kichentach und Schulhaus in großen Schaden geraten. Sie besitzt zwar ein Capital von 892 fl. Allein weil dieses Capital von drey Creditoribus, deren die meysten auch in diesem Feyer in Schaden geraten, nit zu erleben war, so hat die Kirchen inzwischen zur Guessung 3 neyer Glockhen, Aufbauung des Kirchentachs und Schulhaus 1200 fl. entlehnen müssen."

Als Ursache des Brandes hat das Landgericht Kreuzenstein Frau Magdalena Reisinger als Brandstifterin festgestellt und verurteilt.

Die Pfarre Leobendorf in der Obhut der Erzdiözese Wien

Das Kloster Waldhausen war aufgehoben worden, der Religionsfond residierte in Linz, die diözesane Leitung war noch nicht voll wirksam, so kam es, dass 15 Jahre nach dem Abzug der Franzosen die Schäden an Kirche und Pfarrhof noch nicht behoben waren. Ein weiterer schwer zu verkraftender Schlag war 1848, als der Zehent aufgehoben wurde, eine Folge der Märzrevolution. Die Pfarre hatte einen jährlichen Verlust von 2945 fl zu verkraften. Dadurch ist zu erklären, dass das Dach des Turmes 60 Jahre nach der Zerstörung durch die Franzosen noch immer fehlte. Der häufige Wechsel der Pfarrer brachte es mit sich, dass die große Kirchenrenovierung erst 1877 begann. Es ist die Fassung der Kirche, wie wir Älteren sie noch in Erinnerung haben. 1911 kam es zur Auspfändung von Ober- und Unterrohrbach, die Pfarre Leobendorf hatte ihre jetzige Größe gefunden. Im Jahre 1912 kam als Pfarrer Franz Heinisch aus Höbersdorf nach Leobendorf. Einige Leobendorfer können sich noch an ihn erinnern. Er führte unsere Pfarre durch den 1. Weltkrieg und die Wirtschaftskrise. Seiner Güte, Toleranz und sozialen Einstellung verdanken wir, dass die Pfarre, wenn auch wirtschaftlich sehr geschwächt, diese Zeit überstand. Nach 20 Jahren, in denen nichts repariert wurde, kam Leopold Rohringer als Pfarrprovisor, eine Novität in der Geschichte unserer Pfarre, zu Lebzeiten eines Pfarrers nach Leobendorf. Am 15. November 1936 wurde geistlicher Rat Mathias Staribacher Pfarrer. Am 8. Dezember wurde von ihm das Pfarrheim, der frühere Kuhstall der Pfarre, der heutige Markussaal, eingeweiht. Pfarrer Staribacher verdanken wir die Volksmission, die jährlich abgehalten wurde. 1938 erfolgte der Anschluss an das Großdeutsche Reich, das Pfarrheim wurde Kindergarten. 1944 wurde das Schindeldach des Pfarrhofes defekt. Aus Lichtenegg wurden 15.000 handgefertigte Schindel von Friedrich Spenger angekauft. Das Kriegsgeschehen kam näher.

Nach Ostern 1945 quartierte sich das Artilleriekommando der S S-Division Totenkopf im Pfarrhof ein. Somit wurde Leobendorf Hauptkampflinie. Als sich die rote Armee unter den Marschällen Tolbuchin und Malinovskij Leobendorf näherten, es war der 2. April, wurden in Leobendorf die ersten Panzersperren gebaut, eine in der Hauptstraße zwischen Kronberger und Glatt. Im Pfarrhof wurde der Hauptgefechtsstand eingerichtet. Am 15. April zog die SS-Division Totenkopf ab, es folgte die SS-Formation Großdeutschland, die Leobendorf bis zum 7. Mai verteidigte. Am Montag, den 23. April in den frühen Morgenstunden kam ein Angriff mit Infantrie, mit einigen LKW und Halbkettenfahrzeugen mit 4 Pakgeschützen bis zur erwähnten Panzersperre. Leutnant Kneißl führte den Gegenangriff und warf die Russen unter Verlusten Zurück. Dann war nur mehr Geschützfeuer von Granatwerfern, leichte un'd schwere Artillerie zu erleben. Am 8. Mai rückten die ersten Russen in Leobendorf ein. Es war der Tag der Kapitulation der deutschen Wehrmacht. Wir Leobendorfer waren von 15. April bis 8. Mai 1945 in den Kellern. In dieser schrecklichen Zeit wurden die Kirche und der Pfarrhof schwer beschädigt, wie die Bilder bezeugen.

Leobendorfs Bauern spendeten von der Ernte 1945 der Pfarre 700 kg Kartoffeln, die bei der Beschaffung des Glases für die Kirche sehr gute Dienste leisteten. Am 28. Oktober, Christkönigssonntag, konnte der erste Gottesdienst in der Kirche gefeiert werden. Anfang September wurde Kaplan Anton Irschik, der seit Ostern 1937 hier gewirkt hatte, nach Wien Mauer versetzt. Es folgte der letzte Kaplan von Leobendorf Martin Romstorfer, der bis 1949 in Leobendorf blieb. 1952 begann die Innenrenovierung der Kirche. Dabei wurden die aus der Zeit um 1350 stammenden Fresken und die gotische Sitznische im Prespyterium entdeckt und freigelegt. Damit ist der ursprüngliche Bau der Kirche nicht mit 1443, dem Datum des Turmbaues, sondern schon vor 1350 anzunehmen.

Am 10. Mai 1964 feierte unser Pfarrer Monsignore M. Staribacher seinen 80. Geburtstag, ihm blieben noch knappe 2 Jahre seiner Tätigkeit in Leobendorf. Am 19. April 1967 kam Monsignore Mathias Staribacher ins Dornbacher Spital, Diagnose Magenkrebs, am 12. Mai 1967 ging ein erfülltes Priesterleben zu Ende.

In den letzten Jahren war Kager Kaplan in Leobendorf, nach dem Tod des Pfarrers wurde er Provisor; der Stephansplatz hatte aber andere Pläne: Am 4. September 1967 feierte der neue Pfarrer Johannes Pointner seine erste Messe in Leobendorf am Volksaltar. Mit ihm hielten die Reformen des 2. Vatikanischen Konzils in Leobendorf Einzug. 1968 wurde die Auferstehungsprozession durch die Lichtfeier ersetzt. Im Jänner 1969 begannen die Mütterseminare in der Pfarre, die sich bis jetzt großer Beliebtheit erfreuen. Im selben Jahr feierten wir das Fest „Sorge 20", das 20-jährige Wirken von Schwester Helga, wie sie seit damals genannt wurde.

Seit Februar 1971 kümmert sich der Liturgiekreis um die Gestaltung der Gottesdienste. Ab 1971 erscheint unsere Pfarrzeitung „Das Tor".

(Bertl Karner)

Donnerstag, 22. Oktober 2020