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Tresdorf - St. Nepomuk

Gebetsstätten vor 1825

Über die „Kapelle mit Marienbild", die durch den großen Brand, der im Jahre 1825 in Tresdorf wütete, vernichtet wurde, ist nicht sehr viel bekannt: In einem Gesuch an das Erzbischöfliche Consistorium aus dem Jahr 1861 schreibt ein „Ausschuss der Tresdorfer Bevölkerung" von einer „seit undenklichen Zeiten bestehenden Ortskapelle". In der Topographie des Erzherzogtums Österreich, Band 9, aus dem Jahr 1929 ist zu lesen:



„Als das akademische Jesuitenkollegium die Herrschaft Tresdorf besaß, wollte die hiesige Filialgemeinde ohne Wissen ihres Pfarrers in Leobendorf im Jahre 1701 einen eigenen Thurm im Dorf aufrichten, mit einem zu eigenem Gebrauch bestimmten Glöcklein, was dann zu mancherlei Streitigkeiten Veranlassung wurde ". Wenn auch aus der Textstelle nicht eindeutig hervorgeht, ob nun dieser Turm tatsächlich errichtet wurde, scheint es immerhin möglich, dass es um diese Zeit schon eine Gebetsstätte in Tresdorf gab. Ein aus dem Jahr 1778 stammendes Turmkreuz, das den bestehenden Kirchturm schmückt und von der vorherigen Kapelle übernommen wurde, könnte schon von dieser Gebetsstätte stammen. Die Kapelle von 1835 Vom Neubau der Kapelle im Jahr 1835 berichtet der Pfarrprovisor von Leobendorf: „Die Kapelle in Tresdorf hat einen Turm und eine Glocke und wurde zu Ehren St. Markus gesegnet". Die Gottesdienstfeier war nur am Patrociniumsfest, am Fest des heiligen Florian und im Anschluss an eine Bittprozession in der Bittwoche erlaubt. 1857 ist die Kapelle „ durch eine plötzlich eintretende Überschwemmung so verwüstet worden, dass das heilige Messopfer nicht mehr auf einer würdigen, der Heiligkeit entsprechenden Weise gefeiert werden konnte ", wie bei einem Bittgesuch an das Ordinariat aus dem Jahr 1860 zu lesen ist. Die Kapelle wurde in ein Gemeindearmenhaus umgewandelt und daneben entstand eine neue, größere Kapelle. Die Kapelle von 1858 Die im Jahre 1858 errichtete Kapelle wurde dem heiligen Johannes Nepomuk geweiht. Die Andachtsstätte wurde „aus Stein und gebrannten Ziegeln, mit Ziegeldach und einem Turm mit Weißblech gedeckt" errichtet, wie in der Leobendorfer Pfarrchronik zu lesen ist. In den Turm kamen drei Glocken: die von der alten Kapelle vorhandene Glocke, eine Glocke als Geschenk der Stadt Korneuburg und eine Zügenglocke, gestiftet von der Witwe Anna Wagner. Durch ein Gesuch wurde im Jahr 1860 eine Verlängerung der bestehenden Messlizenzen erreicht. Durch ein weiteres Gesuch erhielt man 1861 die Erlaubnis, in der Kapelle für die Ortsbevölkerung Trauungen abzuhalten. Mit Beginn des Religionsunterrichts in der Schule (1883) wurde jeden Mittwoch in der Kapelle Gottesdienst gefeiert. 1942 führte Dechant Staribacher den sonntäglichen Gottesdienst in der Tresdorfer Kapelle ein, um der Abwanderung der Kirchenbesucher in die Nachbarpfarre Harmannsdorf Einhalt zu gebieten. 1943 wurden die drei Kirchenglocken für Kriegszwecke beschlagnahmt und vom Turm geholt. Durch die dreiwöchige Front im April/Mai 1945 wurde auch die Kapelle schwer in Mitleidenschaft gezogen und mit großer Mühe und Opferbereitschaft konnten die Schäden behoben werden. Trotz der schwierigen Zeiten gelang die Anschaffung von drei Glocken, welche im festlichen Rahmen 1949 geweiht werden konnten. Die im Besitz der Marktgemeinde Leobendorf befindliche Kapelle war zu Beginn der Siebzigerjahre sehr renovierungsbedürftig. Durch das Anwachsen des Ortes und des überdurchschnittlich hohen Kirchenbesuches bei den Gottesdiensten wurde die Kirche zu klein und erfüllte auch nicht mehr den durch das 2. Vatikanische Konzil veränderten Anspruch bezüglich der Beschaffenheit eines Kirchenraumes. So entstand die Idee, ein neues Gotteshaus zu errichten. Filialkirche Tresdorf Nach langjähriger sorgfältiger Planung erfolgte am 29. Juli 1984 in Anwesenheit des Architekten DI Baurat Erwin Plevan die feierliche Grundsteinlegung und schon im Sommer begannen die Bauarbeiten. 1985 wurde die alte Kapelle abgerissen und 1986 war der Kirchenbau vollendet. Am 21. September wurde die neue St. Nepomukkirche im Rahmen eines mehrtägigen Weihefestes von Weihbischof Krätzl geweiht. Die neue Filialkirche besteht aus einem Kirchenraum für rund 200 Sitzplätze, einer Sakristei mit Aussprachezimmer, sowie einem Seelsorgeraum einschließlich Vorraum, Garderobe, WC-Anlagen und kleiner Küche. Der 19m hohe Kirchturm ist freistehend und nimmt die vier im Jahr 1990 von Kardinal Hermann Groer geweihten Glocken auf. Auf dem Turmdach befindet sich das Kreuz aus dem Jahr 1778, welches vermutlich schon die erste Betkapelle schmückte. Kirche, Nebengebäude und Turm umschließen den erhobenen, schön angelegten Kirchenplatz. Der Kirchenraum ist zeltähnlich gestaltet, überspannt von einem sternförmigen, kühn gefügten Gebälk. Das Licht kommt einerseits durch Schrägfenster, die zwischen Zeltdach und ziegelrotem Gesimse ein harmonisches Bild ergeben, andererseits durch fünf Buntglasfenster, vier an den vier Ecken des Hauptzeltdaches das fünfte seitlich hinter dem Altar. Im Lauf des Tages dringt Licht vom Ostfenster beginnend je nach Tageszeit durch eines der im Gebälk befindlichen Fenster, deren Farbenspiel so gewählt wurde, dass sowohl der Ablauf eines Tages, als auch der Ablauf eines Jahres sowie der Ablauf eines Menschenlebens auf dieser Welt symbolisch dargestellt wird. Das Nordlicht als gelber Strahl lässt uns im vierten Fenster, dem Nordfenster, über die irdische Welt hinaus ins Jenseits, in die ewige Freude, blicken. Das Altarfenster stellt den Lebensbaum dar, er ist als Baum der Erkenntnis des Paradieses zu verstehen, und schlussendlich als Baum der Erlösung. Die Gestaltung der von der Ortsbevölkerung gestifteten Fenster erfolgte durch Frau Barbara Entacher-Kohlbauer, ausgeführt wurden sie von Jana und Karl Fertl. Kreuz und Tabernakel wurden von Herrn Gerhard Kohlbauer entworfen und von Herrn Grandegger ausgeführt, von dem auch die an der Hinterwand hängenden Kreuzwegstationen stammen. Das Kreuz, im Altarraum hängend, wurde dem hl. Johannes Nepomuk, dem Kirchenpatron nachempfunden: Der Fluss ist der silberne Schaft, die Brücke das Querholz. Das Martyrium wurde sein Kreuz, das er dem Herrn nachfolgend trug, und so zur Erlösung gelangte. Oberhalb des Eingangsportals erblickt man das Gemälde des heiligen Johannes Nepomuk aus dem 18. Jhdt, welches schon die vorhergehende Kapelle als Altarbild geschmückt hatte. Das Gnadenbild der Mutter Gottes an der Säule stammt von einem unbekannten Meister aus dem 18. Jhdt. Gleichsam als Schlussstein beschließt das bemalte Holzrelief das kühn aufragende Gebälk des Dachstuhls. Eine Taube, Symbol des Heiligen Geistes, ist umgeben von Mensch, Löwe, Stier und Adler, Symbole der vier Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes. Das vom Geist Gottes ein gegebene Wort möge immer auf uns einsprechen, soll damit symbolisch dargestellt sein. Das Zusammenwirken der Marktgemeinde Leobendorf, der Pfarre Leobendorf, der Erzdiözese Wien und der Ortsbevölkerung von Tresdorf hat eine problemlose Finanzierung dieses Großprojektes ermöglicht. Wir Tresdorfer sind dankbar, ein so schönes, würdiges Gotteshaus erhalten zu haben, dessen Kircheninnenraum eine Atmosphäre ausstrahlt, die Gottesbegegnung und die Gemeinschaft mit Christus in den Gottesdiensten, Gebetsstunden und Andachten spürbar werden lässt.

Donnerstag, 22. Oktober 2020